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als ich einmal in den canal grande fielMein Buchtipp für den Adventskalender 2021 MQI       

Als ich einmal in den Canal Grande fiel    


Autorin: Petra Reski

erschienen im Droemer Verlag 2021


Es gibt kaum eine Stadt, über die die Menschen so gegensätzlich urteilen wie Venedig: „Traumhafte Stadt! Die Ruhe! Das Wasser! Der venezianische Karneval!“ schwärmen die einen. „Touristenmassen! Hochwasser! Zerstörerische Kreuzfahrtschiffe!“ stöhnen die anderen.

Was ist richtig? Sicherlich beides. Petra Reski ist eine deutsche Journalistin und Buchautorin, die seit 30 Jahren in Venedig lebt. Dort hingezogen ist sie wegen der Liebe. Einerseits zu ihrem Mann, einem Venezianer, Kunsthistoriker und Sammler. Anderseits liebt sie diese Stadt. Und kämpft für sie.

Im letzten Kapitel des Buches erfährt man, dass sie sich einer Bürgerinitiative angeschlossen hat: „Terra e Acqua“, auf deutsch: Erde und Wasser. Sie kämpft für die Erhaltung Venedigs, gegen die Umwandlung privater Wohnungen in AirBnB-Profitmaximierungsmaschinen, für die Interessen der Einwohner, gegen Spekulationsprojekte, Kreuzfahrtschiffe und vieles mehr.

Auf den 260 Seiten davor kann man erkennen, woher sie ihre Liebe zur Stadt, aber auch ihren Kampfeswillen nimmt. Sie erzählt von Alberto, einem alten Fischer, der sein Leben auf einem Fischerboot auf der Lagune verbracht hat, der Venedig im Herzen und auf der Zunge trägt. Als sie ihn eines Tages anruft, um sich mit ihm auf einen Plausch zu treffen, stellt sie fest: Er wohnt nicht mehr in Venedig, sondern in Mestre, auf dem Festland (Mestre ist für Venezianer das, was Bergheim für die Kölner ist…). Er musste die Fischerei aufgeben, weil der Verkehr mit schnellen Motorbooten in der Lagune ihn und sein altes langsames Holzboot verdrängt hat – der Autorin kommen die Tränen.

Sie räumt mit Touristen-Klischees auf, z.B. mit der Romantisierung von Harry’s Bar, in der Hemingway, Peggy Guggenheim, Gary Cooper, Orson Welles und andere Celebrities ihren Cocktail getrunken haben. Harry’s Bar ist klein, zugig, außerdem keine Bar, sondern ein Restaurant: „Mit kleinen Sesselchen, niedrigen Tischchen, zierlichem Besteck und winzigen Gläsern. Ein bisschen wie ein Kindergarten für Erwachsene.“ Sie hatte dort ihren späteren Mann, den „Venezianer an meiner Seite“, kennengelernt. Ihre erste Übereinstimmung: Diese Bar ist furchtbar, wir müssen unseren Drink woanders nehmen – eine Entscheidung fürs Leben.

Durch ihren Venezianer lernt sie das alte Cinema San Marco kennen – inzwischen verkauft an Benetton. Auch das Rokokotheater Ridotto: Benetton. Der „Fondaco dei Tedeschi“, ehemals ein Lagerhaus von deutschen Händlern, später das Hauptpostamt Venedigs – verscherbelt an Benetton. Immerhin: Auf der Dachterrasse dieses imposanten Gebäudes hat man einen eindrucksvollen Blick über die Rialto-Brücke auf den Canal Grande und weite Teile der „Serenissima“.

Der erste Eindruck beim Lesen dieses Buches: Oh je, wie traurig, Venedig geht dem Ruin entgegen. Wenn man trotzdem dabeibleibt, beschleicht einen zunehmend das starke Gefühl: Diese Stadt ist so einmalig, so schön, so bewundernswert, dass man sie nur lieben kann - dass man eigentlich für ihren Erhalt kämpfen muss. Zum Glück macht das Petra Reski für uns!

Bernd Woidtke

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